was also macht man als tourist, der noch nicht ganz so wagemutig ist um die stadt vollkommen ohne anleitung zu erkunden, aber auch nicht der typ für sightseeing-busse? man hält sich an den klassischen lonely-planet-nichtmehrsoganzgeheim-tip und sucht einen der night markets, die so eine art camden market auf asiatisch darstellen und mit den worten "if you can eat, drink or wear it, there's no chance you won't find it there" beworben werden. ganz so unrecht hat er da nicht, der lonely planet. die gassen sind eng, die lichter bunt, das geschrei laut und die angebote sonderbar: fußmassagen für 100 taiwandollar (entspricht ungefähr 2.50 euro), die einem vorbeilaufenden nicht-asiatisch-aussehenden direkt mal auf engrish ins ohr verstärkt werden ("welcome, sir! massage, only 100?"). klamotten von "calven klain" und schuhe von "skecher" und "convese". überhaupt, schuhe: alle sind eingeschweißt, immer. ganze schuhläden, die aus in klarsichtfolie eingeschweißten sneaker-armadas bestehen, was so einem paar chucks zwar ungewohnten glanz verleiht, aber an fake-birkenstocks ("225 jahre qualitat") spätestens auch wieder sehr eigenartig aussieht. tattoo-läden, die so seriös wirken wie hütchenspieler in berlin, und läden, die "vcd & dvd" verkaufen. essen in allen formen und farben (sehr oft beispielsweise "flatsch mit zeugs", wie wir es irgendwann nannten, was so ein bißchen aussieht wie reis mit erdbeeren oder wahlweise auch mais mit schokosauce, je nach ausgeblichenheit des schildes), und übelriechenden -aber dann unglaublich lecker schmeckenden- tofu, der von nett lächelnden opis ohne englischkenntnisse (außer "tofu!" und "45 dollars!") verkauft wird und den man dann in einer kleinen plastiktüte mit soße und gemüsezeugs und stäbchen ausgehändigt bekommt. den tofu, nicht den opi. geht alles, schmeckt lecker, und man verkleckert sich auch nur ein kleines bißchen beim essen, während man mit den stäbchen das zeug aus der tüte fischt und nebenbei den menschenmassen ausweicht.
und natürlich ungezählten quatsch und krams, vom schlüssel- und mobilfon-anhängerchen über nachgemachte rubik's cubes und blinkende plastikdinger ohne weiteren zweck. klamotten und taschen und schmuck und shirts. und es gibt dann noch offenbar ein bestimmtes laut gerufenes wort, nach dem innerhalb von drei sekunden eine komplette straße händler ihren stand zusammenklappt und wie in luft aufgelöst verschwunden ist. wenn nämlich am anderen ende der straße der hauch einer ahnung einer polizeikontrolle besteht. und man steht dann da, hat noch den mund offen weil man gerade nach dem wucherpreis für das fake-shirt erfragen wollte, das man noch in der hand hält, und im nächsten moment ägert man sich schon darüber, keine vorher/nachher-bilder gemacht zu haben, weil das das logistisch faszinierendste war, was man seit langer zeit live miterlebt hat, diese letzten drei sekunden. "flupp".
abgesehen davon gibt es dann noch den teil, bei dem einen übel wird. den teil, wo in einer jahrmarktähnlichen halle kleingezüchtete in offensichtlich drogenartig-sedierte stimmung gebrachte tiere (hunde, katzen, selten auch andere) in glasvitrinen gehalten und zum verkauf angeboten werden.
zoohandlung pervers, und auch wenn deutsche zoo-shops grundlegend auch nicht viel anderes machen als tierchen aus vitrinen (o.dgl.) heraus zu verkaufen, so hat man hier doch sofort das gefühl, daß das /so/ ungefähr 12 millionen mal falscher ist. die gruselkabinettstimmung, die dann noch gefördert wird durch kleine asiatische mädchen, die mit dutzidutzi-blick ein verstört aussehend und regelrecht flehend wirkendes bonsaihündchen ansabbern. ein paar minuten danach immer noch so ein gefühl, als wäre man zeuge einer straftat in totschlags-größenordnung geworden und hätte fahrerflucht begangen, der kloß im hals läßt sich auch mit spielhallen-ablenkung (respektive arcade-lärm und mcdonald's-optik) nicht runterspülen. schnell nach hause und was drüber bloggen, das macht man ja heutzutage so, wenn man die welt retten möchte.





wo das display-essen in klarsichtfolie eingeschweißt in der vitrine beleuchtet wird und wo die klimaanlagen leiser und dezenter brummeln als in fast allen anderen restaurants oder läden.

leider ist das bei scooter nicht ganz so einfach. /natürlich/ kommt man aus dem anfänglichen lästern über setting und kontext, über publikum und selbstdarstellung erstmal nicht hinaus. ungezählt die "hauptstadtrocker"-jacken; die latent übergewichtigen sekretärinnen mit freundinnen (und friseur-gruppentarif "vogelnest, blondiert"); die aufgeschlossenseinwollenden aber doch nur wegen und mit den kindern hier seienden eltern; die durchen typen und die sonnenbanktussis; und diejenigen, die t-shirts mit lustiggemeinten sprüchen tragen (allen voran "lass uns tanzen oder ficken oder beides", das auch direkt am merchandising-stand verkauft wurde und in beängstigender häufigkeit offenbar vollkommen ironiefrei getragen wurde, selbst von menschen, bei denen sich jegliche der beiden optionen vorzustellen schwierig gestaltet). und die leute, die man - obwohl man sich für konzert-affin hält - noch nie irgendwo gesehen hat, und bei denen man auch das gefühl nicht los wird, daß sie nie irgendwo /sind/.
nicht zwangsläufig in die richtige, aber was will man machen. es gibt fehler, die macht man eben nur drei mal im leben. dann prokrastiniert man aber irgendwann einfach so rum und googelt sich gründe und anlässe dafür zusammen, anstatt sich selbst mit angemessenem abstand zu beobachten (das gefüge zu erkennen!) und zu interpretieren: und wenn man dann inmitten der postostertouristen am hackeschen markt steht und sich noch wundert, wo denn die aggressivität bleibt und wieso die eigene laune zur zeit eigentlich so vollkommen unbeeindruckt von solchem streß ist, .. -- dann ahnt man den fehler, nämlich daß es doch überhaupt kein davonlaufen und reagieren ist, sondern vielmehr ein ankämpfen-gegen und ein voranprügeln. der wind kommt dann von vorn, und man muß sich einfach nur in die richtige richtung drehen, um das zu spüren. dann tränen zwar die augen und man muß vielleicht sogar mal die jacke zumachen anstatt sein hohlkreuz zu kultivieren, aber aus dem davonrennen ist ein nach-vorne-tapsen geworden. und demnächst vielleicht sogar mal ein ausgewachsenes durchschlagen oder sogar ein zweckstolpern. mehr geht selten. aber das ist ja schon so viel mehr als bislang.