toasttötungstheorien / ein livebericht aus meiner küche

donnerstag, also praktisch wochenende. zwei packungen toast sind vorhanden. die eine mit mindesthaltbarkeits-deadline um mitternacht

(zugegeben, ich neige zum drama, was solche angaben angeht: ich bin überzeugt davon, daß die milch genau in der ersten sekunde nach mitternacht schlagartig schlecht und ungenießbar wird. bei anderen lebensmitteln mit aufgedrucktem datum ist das ähnlich, und "frische" ware war mir ja schon immer suspekt und ist dementsprechend selten in meiner küche anzutreffen.)

, die andere noch ungeöffnet und bis nach dem wochenende haltbar. ich beginne also mit panischem aufessen des in wenigen minuten wahrscheinlich schlagartig zu schimmeln beginnenden toasts bis knapp unter übelkeits- und knapp vor tagesgrenze. 23:58 uhr auf der zielgeraden, während des kauens der letzten scheibe, bemerke ich dann den schimmel.

auf einer scheibe der anderen -ungeöffneten, noch haltbaren- packung, versteht sich.

gut, man könnte dem toast vorsatz unterstellen. eine perfide ausgeheckte taktik zur unterwanderung der moral in meinem haushalt, nur darauf abzielend, daß ich eines tages entnervt den konsum von abgepacktem und angeblich mehrere tage haltbarem supermarktbrot aufgebe. mein toast, ein kollaborateur? auf der gehaltsliste des bäckers um die ecke, der mit dieser taktik versucht, kamps (und dergleichen) marktanteile abzujagen?

nein. irgendwoher muß die redewendung "dumm wie brot" ja kommen. meine theorie: der von mir gekaufte toast plant in bester absicht und zwecks erfüllung meiner erwartungshaltung eine termingerechte verschimmelung. schließlich hab' ich ihn gekauft, bin quasi sein chef, mein toast sieht mich als arbeitgeber, wenn nicht sogar als sinnstifter an. in bestem samurai-ehrenkodex also möchte er seinem herrn dienen.

hier kommt seine blödheit ins spiel. die beiden packungen toast liegen meist nebeneinander, das mindesthaltbarkeitsdatum außen auf der packung abgedruckt. und da so ein toast nun mal keine stielaugen hat, zumindest nicht bevor er schimmelt, sieht er das haltbarkeitsdatum der jeweils anderen (statt der eigenen) packung und verdirbt entsprechend. das ist die einzig mögliche erklärung (sowohl für das verfrühte schimmeln der noch geschlossenen packung als auch den leckeren geschmack der kurz vor dem anzunehmenden verderben stehenden, natürlich).

schlußfolgerung: ich bin, nein, ich war dumm wie brot - und werde in zukunft die beiden packungen getrennt voneinander lagern. vielleicht hören dann ja auch die komischen geräusche auf, die so oft nachts aus der küche knistern.

regensoundtrack

cole porter - i love paris

(funktioniert nicht nur in paris, aber doch eher in großstädten als in käffern. und nur bei regen, versteht sich. und offenem fenster.)

beim nächtlichen aufräumanfall wieder unterstufen- ..

beim nächtlichen aufräumanfall wieder unterstufen-zeitvertreib auf schreibblocks entdeckt. neben einer frühen form des irc (block wird reihum geschoben, jeder schreibt eine zeile, inklusive channelmessages und manchmal sogar netsplits) auch skizzen des den zeitschriftenmarkt der end-80er revolutionerenden comics ("kater maran, kater lysator und kater lonien - das trio mit elf pfoten (seit dem tragischen unfall mit nachbars lumpi letzte woche)") gefunden. manchmal möchte man wieder 14 sein.

ey, ihr habt die alle an die wand gelesen.

ihr kamen die tränen, sie stieg aus dem bett
sie zog sich was über und ging auf den balkon
sie fühlte sich elend, sie sah hoch zum mond
sie wollte nach hause, aber da war sie ja schon

mittwoch. jürgen kuttner läßt seit 23 uhr auf you fm seine hörer faust (den ~, nicht die) vorlesen, zu ambientigen frickelflächen marke "swans auf lsd mit c64-bleeps und gregorianischen chören" im hintergrund, fast durchgehend unkommentiert. ich stehe in meiner lieblingspose am offenen fenster (sweatshirt mit reißverschluß in stellung "oben", den kaffee in der rechten hand, die hosentasche um die linke, nach draußen starrend mit rentnerkissenblick, latent frierend). die luft riecht nach einer mischung aus ozon und gelangweiltem regen, und würden nicht alle paar minuten lastwagenfahrer mit rund 100 km/h durch unser dorf vor ihrer mautpflicht flüchten, könnte ich mich glatt auf faust konzentrieren, nur alle 15 bis 20 minuten unterbrochen von herzzerreißend ehrlich klingenden - und wahrscheinlich nicht von goethe stammenden, aber das kann ich nicht garantieren - vorleser-anmerkungen wie "ey, war das gut oder was? wie spät ham'wer denn? ich hab' doch hier auf'm klo keine uhr." und nachfolgendem staunen kuttners. die tür am haus gegenüber öffnet sich, ein fellknäuelartiges etwas in kleinköterhöhe kommt heraus, bellt mit einer mischung aus stil und schüchternheit ("wöff?"), bemerkt offenbar das nichtvorhandensein von publikum, schaut nach links, schaut nach rechts, guckt mich kurz blöd an - und geht wieder rein. night on earth. meinem kaffee ist mittlerweile kälter als mir, was er mich deutlich schmecken läßt. ich verstehe den wink mit dem tassengriff, schließe das fenster und nehme mir vor, heute nacht mal nicht zu träumen.

er hat ihr so weh getan, er hat sie so verletzt
denn er sagte 'homebanking', als sie ihn fragte: 'woran denkst du jetzt?'
er sagte: 'homebanking.' und sie wollte schrei'n
aber es ging nicht, sie lag nur da und er schlief ein.

(hassen sie solche tagebuchartigen einträge nicht auch?)

das notebook nachts nicht mehr zuklappen, bildschi ..

das notebook nachts nicht mehr zuklappen, bildschirm statt dessen abschalten per unten am deckelsensorschalter eingeklemmtem dingsi - aus angst, mit dem geschlossenen deckel dem desktop-wallpaper-girlie vielleicht die luft zum atmen zu nehmen: psychosen der neuzeit. ("spinner! in der stellung auf dem bild bekommt sie doch sowieso keine luft.") gleiche kategorie wahrscheinlich wie das gefühl, morgens nicht durch türklingel, wecker oder schlafüberdruß, sondern durch fiese laserstrahlen aus den genau auf mein bett ausgerichteten lautsprechern geweckt zu werden. empathie olé, ihr piepel!

ich papse, du papst, ersiees papst, ..

auf jedem kanal diese alten männer in schwarzroten kutten und mit rotem käppi, die über die bedeutung eines deutschen im amt des papstes diskutieren und dabei so grimmig schauen wie mein onkel nach seinem zweiten bypass. dinge wie der (das?) "dominus jesus" werden besprochen, als würde man über das wetter reden, der bürgermeister eines bayerischen dörfchens darf sich in die kamera freuen, kommata und blicke von benny dem sechzehnten werden minutenlang interpretiert und (danach) diskutiert. männer mit glatzen, männer mit grauen haaren, aber immer nur alte männer. und rote käppchen. das fernsehen als abbild der kirche. live und open-air aus rom. kurze (schon) nostalgische rückblicke auf woytila, der angeblich den supidupi-draht zur jugend hatte, fast zeitgleich mit analysen, die zum ergebnis kommen, daß die kirche sich zu sehr an ein altes publikum richtet und die befürchtung, joseph könnte daran nichts ändern wollen. top-thema aller nachrichten auch nachts um 1 uhr noch. metaphern werden überstrapaziert, die alten männer rennen vom einen studio ins nächste, während sich in den berichten vom abend menschen in den armen liegen wie zum letzten mal nach dem gewinn der fußball-wm. der kleine teil der sich selbst als solche sehenden geistigen élite ruft, wie jede nacht, zwischen 1 und 2 uhr bei deutschlandradio an und teilt sich mit. hardliner gegen fundamentalisten, und alle ohne relevanz. binsenweisheiten everywhere, auf n-tv ist die bevölkerung bestürzt und im zdf ist die jugend begeistert. oder umgekehrt, was weiß ich. habemus apfel-, ganz gern vor allem zu pfannkuchen.