astro-tv

"deine schulter steht im wassermann", erklärt die dame von questico mit den schlecht rotgefärbten haaren bei einem sender namens astro-tv, nachts um 2 uhr. im hintergrund schwurbeln durch den bluescreen stock-images, deren produzenten weder etwas von anti-aliasing noch von einer zu erwartenden niedrigen mpeg2-datenrate auf zuschauerseite gehört haben, so daß die sternzeichen und astro-icons allesamt aussehen, als seien sie per wingdings auf einem cga-bildschirm gezeichnet. eine dame mit langen schwarzen haaren und pferdegebiß interviewt im vordergrund die astro-expertin, wenn diese zwischen zwei anrufen gerade kurz zeit hat: "ich kann mir vorstellen, daß das anstrengend ist, wenn man medial so angezapft wird. wie tankst du eigentlich deine energien wieder auf?" - medial angezapft und entsprechend erschöpft fühle ich mich schon nach zwei minuten astro-tv, aber mich fragt ja keiner.

ich überlege, ob ich die 0800-nummer, die zum anfixen eingerichtet wurde, mit rufnummernunterdrückung anrufen soll und mich als gescheiterte existenz mit einem dämlichen problem ausgebe. kann mich dann aber nicht entscheiden zwischen dem fehlgerouteten 9live-zuschauer ("das lösungswort ist nudelsalat! kommt jetzt der hot-button?"), dem extrem-minderheiten-suizid-kandidaten ("ich bin ein arbeitsloser schwarzer schwuler jüdischer transsexueller nazi aus wanne-eickel und werde mich in meinem rollstuhl gleich hier von der brücke stürzen!") und dem profi-klugscheißer ohne ahnung ("meine software hier sagt mir aber, daß mein knie im saturn schwimmt und mein ego mit warp 13 auf den aszendenten zum wassermann zurast!") und traue der sache ja eigentlich auch sowieso viel zu wenig. axel beispielsweise, der nicht nur von allen guten geistern sondern auch von seiner frau verlassene mittvierziger, klingt doch irgendwie aufgezeichnet. das angeborene mißtrauen kann einem manchmal wirklich den spaß verderben. eigentlich müßte man sich für dinge wie astro-tv oder neunlive eher drinking games ausdenken, oder wenigstens kleine partyspiele ("predict the prediction!").

werbung. für astro-tv-kurznachrichten-abonnements natürlich ("sie haben fragen? die sterne wissen die antwort. und wir sagen sie ihnen!"). vier kurznachrichten pro woche für 2 euro, 50 cent für einen zweisatzigen textbaustein marke "der große wagen steht reziprok tangential zum chinesischen sternzeichen des telefons", oder zu deutsch, je weniger man für so eine scheiße sein geld rauswirft, desto eher kann man sich das neue auto leisten).

im studio kerzen, fast unmerkliche leise "synthesizer greatest vol. 41" -artige ("mach mal atmo dahinter!") geräusche, eine mischung aus landhaus- und ikea-stil (also landhaus-plastik) - oh, eine neue sendung. kartenlegen statt sternegucken. die fragen der anrufer sind ähnlich spezifisch wie vorher, nämlich entweder gar nicht ("können sie mir sagen, wie es mir geht?") oder zu sehr ("um wieviel uhr werde ich morgen meine traumfrau kennenlernen?"). das kartenmaterial fabuliert allgemeinplätze mit erstaunlicher zielgruppenkenntnis ("sie müssen ihr selbstwertgefühl stärken!"), die moderatorin kommentiert entsprechend ("das finde ich ja jetzt unglaublich spannend, wie treffend die karten das wußten!"), und die gesamte szene ist ungefähr so spannend wie die nächtlichen sexy clips auf dsf oder tv.berlin (immerhin sehen die damen hier besser aus, schließlich haben sie klamotten an, wenn auch nur von c&a).

beim einschlafen falle ich mit der schulter auf den roten hot-button meiner fernbedienung. der wassermann wird sich jetzt sicher ärgern.

schöner leben mit argh

mit indianischen fach- bzw. originalbegriffen für haushaltsgeräte macht man sich das tägliche leben übrigens nicht zwingend einfacher, aber doch wenigstens kurzweiliger (- und das soll als erklärung schon reichen, ich muß jetzt leuchtet hell wie eine tausendstel sonne einschalten und mir ein wasser holen aus großer weißer kasten, der rumpelnd wie zehn büffelherden winter macht).

happy kopfschmerzday

seit einiger zeit schild auf der apo-theke (hammer-wortspiel, ich weiß) bemerkt, aufschrift "jetzt auch geschenkverpackungen". mich (kurz) gefragt, gegen welche art von krankheit geschenkpapier helfen soll und auf welche art dieses angewendet werden soll, mich nach wenigen sekunden ebendieser überlegung aber schon für ausreichend unoriginell gehalten und nach anschließendem kurzen schwenk über klassischen kulturpessimismus sowie einen abstecher ins fach "wieso eigentlich kultur-? existiert der begriff medizinpessimismus schon? bzw. 'gesundheitsmieselaune' auf talkshowdeutsch?" dann recht schnell bei debilem grinsen meinerseits während der schildbetrachtung und wissend-sympathischem wortlosen angelächeltwerden seitens der apothekerin (ca. mitte 20, ganz fiese kombination aus dunkelhaarig, sommersprossen und stupsnase) angelangt.
mit liebevoll-geschenkverpackter schachtel aspirin (n1) nach hause gehüpft, dort schon vor der einnahme keine kopfschmerzen mehr gehabt. da sag' noch mal jemand was gegen die gesundheitsreform.

unfortunate animal of the month club - "something dreadful in the mail each month to brighten your life"

"i do not make the same unfortunate animal for everyone each month, oh, no. i look at each person's emails, and i think of all the clues i have about them: name, address, handwriting if i have a sample, email style, any hints of personality i am given. i make sure they will not get the same colour or style each month, and, finally, i listen to the rabbits and make a wild guess as to which thing to send them this month - then i go out and make it. the same care is taken in wrapping, and with the notes. i have sent whacked things on a whim only to hear back that it was the most perfect thing ever. don't expect miracles, but know that this is not a flower-of-the-month where in june everyone gets roses: this is the real deal, where i strive for certain expressions of the face and nuances of limb-twisting on an individual basis."

dort mal hingehen tun, wenn dann gerade zufällig in der nähe seiend:

achtung berlin / new berlin film award ist das neue festival für filmproduktionen aus und über berlin und findet erstmals vom 14. bis 17. april 2005 im hackesche-höfe-filmtheater statt. // in berlin highlights präsentiert achtung berlin aktuelle und herausragende spiel- und dokumentarfilme aus berlin / brandenburg - unabhängig von thema und länge. // towards berlin zeigt, wie sich filmschaffende aus der ganzen welt thematisch mit berlin auseinandersetzen und ihre eigenen perspektiven auf die stadt und ihr erscheinungsbild eröffnen."

und im rahmen ebendessen dann vor allem:

filmpostkarte '7 tage im leben ..'

"7 tage im leben meiner freunde".
donnerstag, 14.4., 2015 uhr in obendiesergenannten location.

carpark north - human

verdammt gute chancen auf den "beeindruckendstes video des jahres, das den titel schon im april bekommen hat" -award 2005:

human (quicktime, 16 mb)

(von einer band namens "carpark north", von der offenbar nicht nur ich bisher nichts gehört hatte.)

(via)

tagebuch eines formulierungs-kretins

"an tagen wie heute fühl' ich mich immer so vierspurig", sagte f., und versuchte dabei mit einem leider eher schlecht improvisierten opferrollen-timbre dezent darauf hinzuweisen, daß sich seine metapher nicht auf eine autobahn, sondern auf eine studio- bzw. audioaufnahme bezog. ich sagte nichts, sondern blickte weiter an ihm vorbei in richtung fenster, um den eindruck zu erzeugen, ich hätte ihm nicht zugehört. mein desinteresse wiederum nahm f. nicht zur kenntnis und redete weiter. einige abers, oh weis, andererseitse und obwohls drangen bis zu mir durch, ich streute hin und wieder ein mmhm oder ein hmmmhm ein und wartete darauf, daß f. endlich aus seinem selbstmitleid herauskletterte - oder daß sich das dunkelhaarige hasi vom tisch schräg gegenüber doch endlich mal zu uns umdrehte, um mir zu bestätigen, daß sie auch von vorn so hübsch lächeln konnte wie ich es mir von hinten erhoffte und es ihr von der indirekten beobachtung über die spiegelnde fensterscheibe hinweg zutraute. nichts davon geschah, die nichtigkeitsrelevanzblase schwebte statt dessen weiter über der szene wie eine 2qm-miniregenwolke (umringelt von sonnenschein) über einem oppositionspolitiker in der provinztageszeitungspolitkarikatur; und während ich noch darauf wartete, umgeblättert zu werden, stellte mir f. irgendeine frage, was ich wiederum und habermals nicht an der eigentlichen formulierung, sondern nur am zerebralen echo der seltsamen intonation und der verdächtigen pause bemerkte, das gerade innerhalb meiner schädelbegrenzungen gegen die weiteren überlegungen über die zu erwartende nasenform der dunkelhaarigen vom tisch gegenüber um den highscore beim gedanken-pong wettstritt. und verlor. ich frug gegen, und hoffte, f. mit "auf wie alt würdest du die dunkelhaarige dort schätzen?" einerseits geistige bodenhaftung zu verleihen und mich andererseits aus meiner überaus miesen zuhörerschaft elegant hinauszuwinden. "moment, ich frag' sie einfach", sprach's, stand auf und ging zu ihr hin. in diesen momenten erstaunte er mich nicht nur, in diesen momenten war ich geschockt. wenn ich einmal groß bin, wollte ich auch so cool sein können.

(file under "kaputte anfänge für den nie geschriebenen roman", version 0.3 beta.)

paradigmargh

"daß er schrieb, wußte ich, und daß er sich dafür schämte, war spürbar. einmal traute ich mich, ihn zu fragen, was er denn schreibe. konrad sagte (und jetzt zum beispiel referiere ich nur sinngemäß, nicht wörtlich): nichts, nichts, nur ein bißchen privat, nur sozusagen therapeutisch. - und nach einer pause sagte er unvermittelt: weißt du, all diese verstohlenen schreiber mit ihren schubladisierten a4-blättern, diese lehrer vor allem (aber auch undsoweiter), diese nebenherliteraten, die den durchschnitt um genau jenen millimeter überragen, der nötig ist, um die eigne mittelmäßigkeit wahrzunehmen und an ihr leiden zu können .. widerwärtig, jämmerlich!"

[ markus werner, zündels abgang ]

trostkloß(, der):

1) altmodisch-leckeres mittagessen drinnen (vgl. "wie bei muttern") während trüben regenwetters draußen;

2) beklemmendes gefühl der sprachlosigkeit beim anhören alter eigener mixtapes und sichten dazugehörender erinnerungsschnappschüsse ("einen trostkloß im hals haben");

3) der seelische zustand direkt nach (1) und/oder (2) ("sich trostkloß fühlen").