hinter den sieben bergen, bei den sieben shopping-kanälen

.. hatte ich bis vor kurzem diesen, dings, 9live hieß er wohl, abgelegt. inmitten von qvc, hse, pvc, dsf und vergleichbarem dreck fristete er ein -wahrscheinlich- relativ einsames dasein auf programmplatz 37. immerhin unter anderem noch vor bloomberg und tv5, aber doch in einer gegend in meinem fernseher, die ungefähr "am autobahnparkplatz angekettet und schnell geflüchtet" entspricht. daß ich ihn heute wiedergefunden habe, entsprach einer mischung aus großem zufall und sehr großem zufall, gepaart mit unachtsamkeit beim suchen des tele5-programmplatzes (unglaublich übrigens, wieviel neuer schund sich da auf den hinteren plätzen so tummelt) und schlechter laune bedingt durch schlechtes wetter.

mein fernseher, von einem gewissen grundcharakter her durchaus mit seinem besitzer vergleichbar (bockig, stur, wählerisch und absturzgefährdet, außerdem (zu) anspruchsvoll und leicht zu verunsichern), blendete unbeeindruckt vom geschehen "9lve" ein, wie es ihm in mühvoller kleinarbeit vor jahren mittels der wohl kompliziertestdenkbaren art, einem technischen gerät text(e) bzw. buchstaben zu übermitteln, nämlich den scroll-tasten der fernbedienung, beigebracht worden war. ich, mir durchaus höhere kognitive fähigkeiten zutrauend als meinem fernseher, erkannte aber die diskrepanz: "xxp" stand da, eingeblendet in der linken oberen ecke.

der rest ist schnell erzählt: die nachbarschaft (cnn und dw-tv) beschnüffelte den neuankömmling noch etwas argwöhnisch, trotz der vorherigen umbenennung nach "xxp" haftete dem sonderkanal 27 offenbar zuerst noch etwas 9liveeskes an. aber schon nach wenigen minuten hatte sich der kleine in seiner neuen familie gut eingelebt: umschaltverzögerungen waren keine mehr zu bemerken, aufnahmen ließ "xxp" von sich ebenfalls ganz wunderbar programmieren, und nach weiteren wenigen minuten hatten sowohl ich als auch mein fernseher schon fast vergessen, wie dieser volksverdummende mist hieß, der vorher auf sonderkanal 27 um's überleben kämpfte. und wenn er nicht gestorben ist, dann spielt er noch heute in den werbepausen mit seinen freunden oder verarscht vorbeilaufende shopping-kanäle.

circlemakers

kornkreis

"thousands of circles have (..) appeared world-wide in wheat, barley, oil-seed rape… grass, oats, linseed, peas, maize, mustard and rye… gradually, inevitably, the circles grew appendages; curled scrolls unravelled into straw-perfect aisles; simple circles' sets became cathedral-like floor-plans - vast temporary sacred sites morphogenised the gaiaic cry of nautili, whales, serpents, snails, scorpions, and spider's webs."

gute laune as usual

normalerweise bin ich ja ein eher positiv drauffer mensch. oft hüpfe ich mit gar lustig bunten klamotten singend und pfeifend über eine sommerlich blühende wiese, maikäfer und kaninchen grüßen mich schon von weitem, aus dem off fidelt eine zigeunermusik in dur, und falls ich doch mal auf einem kuhfladen ausrutsche, lache ich nicht über mich sondern -natürlich- mit mir. ich bin ein kleiner sonnenschein, der im lexikon unter dem stichwort "gute laune" mit aufgeführt wird, der noch nie in seinem leben ein böses wort über irgendeinen mitmenschen verloren hat und um den, vor allem, negative gedanken von vornherein den größtmöglichen bogen machen, weil sie wissen, "hey, das ist gute-laune-frank, bei dem müssen wir's gar nicht erst versuchen". tirili, tirila.

und dennoch gibt es tage, an denen ist mein kleines wohlgemutes herz traurig gestimmt. ich meine nicht die tage, an denen mich der weltgeist wieder einmal zu provozieren versucht, indem er pausenlos jamba-werbung im fernsehen schaltet. da lach' ich doch drüber. auch der verkauf die gratis-beigabe der bild-zeitung bei kamps-einkäufen, die andere menschen den glauben an ihre artgenossen verlieren läßt und die zugegebenermaßen auch meine positive grundstimmung auf eine harte probe stellt, kann mich noch nicht dauerhaft erschüttern. ich hoffe bekanntlich immer auf das latent gute, auch in schwierigen mitmenschfällen. ebenso die existenz von offensichtlichen "how low can you go?"-experimenten wie "the swan" vermag mich nicht zu schockieren, halte ich mir doch einfach vor augen, daß so etwas nicht ernst gemeint sein kann.

aber: annett louisan.

diese himmelschreiende scheiße. dieser grauenhaft dämliche song. dieser pädophilen-pop-müll, den plötzlich sogar leute toll finden, denen ich mehr als zwei hirnzellen zugetraut hätte. dieses minderjährige blondinchen, das noch nicht mal den mund öffnen muß, um ihr anzusehen, worauf ihr image getrimmt wurde. dieser dreck, der es noch nicht mal wert ist, darüber eloquent fluchen zu wollen. dieses unglaublich hirnlose experiment, dieses ekelhafte brechreizerzeugende stimmchen, diese akustische weichzeichner-optik. daß mich dieser geistige furzknoten wütend macht, ist noch übermilde ausgedrückt. jeden, der diesen müll auch nur ansatzweise appreziert, möge doch bitte der blitz beim scheißen treffen. geschmackspolizei, hallo? dieser song ist so ein gottverdammtes, ekelerregendes, fürchterliches, entsetzliches, abstoßendes, verabscheuungswürdiges, widerwärtiges, häßliches und hassenswertes machwerk, daß mir .. jetzt wirklich die worte fehlen. wer diesen mist in meiner anwesenheit toll findet oder gar zu hören versucht, dem gegenüber werde ich, das verspreche ich, trotz anerzogener pazifistischer grundstimmung meinerseits körperlich ausfallend werden. und wenn ich mir dabei die fingerknochen breche, weil ich sowas noch nie getan habe. das ist es mir allemal wert. - daß auch scheiße existieren muß, glaube ich gern, aber das geht jetzt einfach zu weit.

(nicht auszudenken, wie der letzte absatz geklungen hätte, wäre er von mir an einem tag mit schlechter laune geschrieben worden.)

ich muß los, die wiese ruft.

audioargh

matthias springt auf den bloglesezug auf - was mir normalerweise keine explizite erwähnung wert wäre, aber in diesem fall liest er einen text von mir. und zwar vor.

alive (affectionate-teenage-mutant-weichei-kitsch-remix).
großes kino hörspiel.

(ja, ich hätte den text anders gelesen. aber das interessiert hier nicht. vielmehr beeindruckt, was für eine mühe er sich mit dem text gemacht hat, inklusive soundtrack (coil! pet shop boys! erik ursich!), credits und outtakes. und das klingt jetzt beim nochmaligen durchlesen noch nicht ganz so begeistert wie ich es eigentlich bin, daher nochmal ausdrücklich: wow!)

aus der reihe "unwichtige episoden zum drüberweglesen"

der regen nieselte ungefähr rechtwinklig gegen die sonnenstrahlen und das niedliche kleine mitten auf der straße sitzende vogelviech ließ sich in seiner perplexität nicht vom herannahenden phaeton beeindrucken, sondern watschelte langsam auf den bürgersteig zu, mit einer haltung, die ungefähr "von dir laß' ich mich nicht stressen" ausdrückte. nach dem demonstrativen drehzahlhochjagen beim vorbeifahren (übersetzung: "scheiß rentner, müssen immer bei rot über die ampel!") dann das hektische vogelseitige antwortzwitschern als angebrachtes autofahrer-auslachen interpretiert und das grinsen nicht mehr aus dem gesicht bekommen. ich, that is. life can be so appropriate sometimes.

erfahrungsfreie haut

".. den ersten dämpfer, als ich in dem im 'ich bin modern und habe genug geld, um nicht zu ikea gehen zu müssen'-warteraum des göttlichen zentrums zum ersten mal den 'master' in echt sehe. christian stippekohl mag rein äußerlich auf viele menschen einen seriösen und vertrauensvollen eindruck machen, für mich sieht er aus wie ein alien. glatte, völlig erfahrungsfreie haut und ein lächeln, vor dem ich meine kinder warnen würde. außerdem trägt er sehr merkwürdige schuhe und hosen."

johnny war im selbstversuch bei der "göttlichen aufrichtung".

wie die fliegen. :-(

geff rushton (john balance) 1962-2004

we are sad to report the untimely passing of geff rushton (a.k.a. john balance), founder of coil, occasional member of zos kia, psychic tv, nurse with wound, current 93, death in june, and friend to many. he will be sadly missed in this world.

a book of condolence is being established in honor at thresholdhouse.com.

scheiße.

coil house(für wertvollere kondolierungen als "scheiße." fühle ich mich momentan nicht kompetent genug. doch, so viel vielleicht: auch wenn nicht alles, was ich von coil auf tonträger besitze, von mir auf die einsame insel mitgenommen werden würde, so ist es mir doch immerhin bewußt, daß es menschen gibt, die für einen bestimmten bereich wichtig und wegweisend waren und ohne die die entwicklung einer ganzen musikrichtung erheblich anders verlaufen wäre. bei john peel mag das weitreichender, vielleicht genre-übergreifender der fall gewesen sein als bei john balance, dennoch - scheiße. wie gesagt. diese szene ist einfach zu klein, als daß der tod einer der lichtgestalten (jaja) nicht ein seltsames gefühl in der magengegend auslösen würde. // ach, ich kann sowas einfach wirklich nicht. entschuldigung. aber ich werde heute den ganzen tag die "the golden hare with a voice of silver" hören. versprochen.)

[update]
das offenbar letzte bekannte interview mit john balance (ca. 45 min, realaudio), vom 22. oktober 2004: "legendary electronic music group coil give their first ever irish performance at dublin's city hall next saturday night as part of the dublin electronic arts festival. john balance and peter christopherson of coil talk about their music."