trotzdem aber dann das gefühl, als könne man all die eindrücke und empfindungen eben doch nur oberflächlich beschreiben. vielleicht nicht gerade im reiseführer-stil, wo nur die sogenannten sehenswürdigkeiten (auch so ein eigenartig-kaputter begriff, der mal dringend durch einen schickeren neologismus abgelöst gehört) inklusive eintrittspreisen und stadtplankoordinaten aufgelistet und beschrieben werden, -- aber eben doch nur in form von anekdoten und beispielchen. die dann zusammengenommen ein bild ergeben, das im idealfall ein gefühl für die zu beschreibende gegend erzeugt, aber in wirklichkeit eben nur an der oberfläche dessen kratzt, wie es wirklich ist. man kapituliert ein bißchen vor der mittelbarkeit, wie üblich.
man könnte sich etwas zusammenbasteln aus der tatsache, daß hier überdurchschnittlich viele jungs brillen tragen. daß die uhren, die in der tankam university die zeitzonen der wichtigsten städte zeigen sollen, alle stehengeblieben sind bis auf die eine mit der lokalen uhrzeit. daß taxifahrer betelnüsse kauen und auf ihrem im taxi eingebauten fernseher telenovelas gucken. während der fahrt.
daß fast überall klassisch gemeinte musik läuft, vom fahrstuhl bis zum coffeeshop, gern auch in einer gema-pendant-freien xylophon-version. daß es vollkommen selbstverständlich ist, daß buffet-überreste nicht weggeworfen, sondern in doggybags aufgeteilt mit nach hause genommen werden. daß trotz merklichen werbe-overkills im öffentlichen raum fast nirgendwo coke und pepsi nerven. daß die flure im hotel every few minutes auf den desired smell gebracht werden, mit einem sanften zischen aus dem festinstallierten robo-raumspray-zerstäuber. daß die bedienung im restaurant stolz erzählt, auch schonmal in deutschland gewesen zu sein, aber erst ihren mann fragen gehen muß um herauszufinden, in welcher stadt genau. und der weiß es dann auch nicht. daß es hier praktisch nie zu unfällen kommt, wahrscheinlich gerade wegen und nicht trotz der unverkrampften fahrweise.
all das in verbindung mit der mittlerweile oft genug beschriebenen herzlichkeit und smoovität, die einen durchschnittlichen mitteleuropäer eben doch immer noch erstaunt, wenn er hier unterwegs ist; all das in verbindung mit den niedrigen preisen, den dimensionen der stadt, der (politischen/internationalen) rolle des landes; -- all das ergibt leider noch immer nicht das bild, das man bereits dann bekommt, wenn man gerade mal ein paar tage in taipeh unterwegs ist.
eigentlich erwartet man also ein füßetreten und um-menschen-herumschlängeln, aber das gibt es nur ansatzweise in der rush hour auf den hauptstraßen, und kaum betritt man die kleineren seitenstraßen oder die engen hinterhofgassen, wirkt alles schon wieder wie ausgestorben und ruhig. die gegensätze sind wohl größer, auch innerhalb der stadt, der signal-rausch-abstand höher. wenn man bereits um mitternacht aus einem kleinen keller-café kommt, weil dieses schließen muß aufgrund von anwohnerbeschwerden, kann man auf der straße zum ersten mal /hören/, wie taipeh klingt, wenn /es/ klingt, und nicht seine menschen und sein verkehr und seine betriebsamkeit. und auch wenn es niemandem aufzufallen scheint in so einem moment, zumindest keinem der gastgeber und der an taipeh gewöhnten, so ist das doch auch wieder eine jener wahrnehmungen, bei denen man erstaunt ist und lächelt und mit der neugelernten sicht auf diesen teil der welt erstmal seine erwartungshaltung konditionieren muß: damit diese mal nicht mehr ganz so herrisch auftritt, in zukunft. (aber das gilt ja eh in allen lebenslagen und nicht nur beim reisen.)




wo das display-essen in klarsichtfolie eingeschweißt in der vitrine beleuchtet wird und wo die klimaanlagen leiser und dezenter brummeln als in fast allen anderen restaurants oder läden.
