man kann ja nächte nicht nur mit mädchen verbringen, sondern auch mal mit dateien. vor allem, wenn diese dateien musik (und video) beinhalten, 2.14gb groß sind, den titel "miroir noir" tragen, von arcade fire kommen und für erschwingliches geld erhältlich sind (als bonus zur dvd-bestellung für rund 25 euro beispielsweise).
76 minuten, in denen die meisten songs nicht aus-, aber in verschiedenen versionen an-gedeutet werden. 76 minuten, in denen man mehrfach den tränen nah ist, vor freude und begeisterung und demut, und das hatten zuvor nur morrissey und the national geschafft. 76 minuten, in denen die stellen zwischen der musik mit anrufclips der neon-bible-promo-aktion verniedlicht werden. 76 minuten mit exakt der richtigen mischung aus liveaufnahme und backstage-clip. 76 minuten, in denen man lächelt, denn es geht überhaupt nicht anders, wenn man dieser band sofort glaubt, daß sie keinen mist macht, keine "platten rausbringt" sondern eben "musik spielt", daß man allen beteiligten ansieht, wie sehr sie das lieben, was sie leben. 76 minuten, die mit stimmung und farbe und stil und schnitt so grandios umgehen, daß man sich in das alter zurückversetzt fühlt, in dem man noch staunen konnte, ohne darüber nachzudenken, warum man gerade staunt. das alter, in dem der begriff "manisch" noch keinen subtext hatte, jedenfalls keinen negativen.
man sieht sich diesen film wahrscheinlich zweimal nacheinander an. man wird beim zweiten mal wahrscheinlich auf andere details aufmerksam als beim ersten mal. man fühlt sich an der einen oder anderen stelle vielleicht so, als wäre man mit der band auf tour. man möchte zwischenfragen stellen und mit den gezeigten menschen lachen. man möchte stagedesignern, beleuchtern, busfahrern und webspaceprovidern persönlich die hand schütteln, und man wird sich mehr als einmal dabei ein bißchen scary vorkommen, weil fanatismus ja auch irgendwie kontrollverlust ist, aber das geht ausnahmsweise in ordnung, schließlich schreibt man für's blog darüber, und das reicht dann ja zur abstraktion. man möchte die kids, die bei den konzerten in den ersten reihen gefilmt wurden, fragen, wie sie die konzerte wahrgenommen haben -- man rechnet hoch vom eigenen filmclip-eindruck auf das live-ereignis, und ahnt. und die ganze zeit, dabei, ist man her- und hingerissen, zwischen bewunderung und begeisterung, nicht nur wenn man arcade fire selbst noch nie live gesehen hat. und man möchte jedem, der nur einen kleinen teil seiner seele für musik übrig hat, diesen film auswendig lernen lassen. und man möchte ihn sich ein drittes mal ansehen und man möchte eigentlich keine nacht mehr anders verbringen.
(ohne jetzt mit mädchen verbrachte nächte generell abzuwerten. aber manchmal habe ich dann wohl doch einen hang zu pathos.)

und dieser unterschied macht sich schon während des landeanflugs in den gesichtern bemerkbar. die dritte gruppe -- jene, die wissen, daß sie nicht abgeholt werden -- ist zwar nicht zwangsläufig besser gelaunt, aber unverkrampfter. zweck-loser, gewissermaßen. //
("hast du schon von den spinnenbeinen probiert?" -- "nein, ich wollte erstmal von dem glibberobst versuchen."), das legendäre "stinky tofu" (das zugegebenermaßen schlimm riecht, aber eben auch nur harmlos tofuesk schmeckt), das dunkelgelbe zeug mit dem frosch-cartoon auf dem dazugehörigen schild, von dem keiner so genau weiß, wie er die zusammensetzung beschreiben soll. oder die kandierten tomaten mit schwarzem irgendwas, neben den blutwurstartig aussehenden frittierstäbchen. und der milchige tee mit schwarzen flummi-bröckchen drin. und vor der ankunft nimmt man sich noch die klassischen reiseführer-tips zu herzen (nur dort essen gehen, wo auch einheimische sind; nur dort essen gehen, wo es nicht /zu/ sauber ist; …), aber nach zwei tagen spätestens wirft man all das über den haufen, weil man selbst erstaunt ist, was der eigene magen so alles verträgt. ohne tabletten, ohne gewöhnung, ohne brechreiz, weil und wenn man nicht großartig darüber nachdenkt, wie das viech vor der zubereitung mal aussah. vegetarier-sein kann man dann ja auch wieder zu hause.